Spanien

 

Meine Urlaubseindrücke Merklingen> Granada> Merklingen 2oo1

Reisebericht von meinem Mopedurlaub mit dem Gespann   Merklingen -> Granada  und zurück.

Abfahrt Dienstagmorgen 3 Uhr.

 

1.Tag

Die Fahrt bis nach Granada sollte auf dem schnellsten Weg nur Autobahn erfolgen.

Kurz nach dem Leonberger Kreuz erst mal angehalten und nachgeschaut ob ich meinen Geldbeutel mit der EC-u. Visa-Karte nicht vergessen habe. Dann ohne Pause bis an die französische Grenze gefahren. Die Mautgebühren kann man mit der Visa-Karte bezahlen (EC-Karte wird nicht angenommen).

Ab ca. 11:00Uhr wurde es auf der Autobahn so heiß, dass ich nur noch Geschwindigkeiten zwischen 140 u. 150 km/h fahren konnte,

ohne die Motortemperatur nicht über 120 Grad zu bringen.

Um ca. 20 Uhr war ich über der spanischen Grenze. Da laut der Wegebeschreibung des Routenplaners vom PeCe ich schon über die Hälfte des Weges nach Granada zurückgelegt hatte beschloss ich jetzt noch bis Granada durchzufahren.

Ab ca. 22:oo Uhr als es dunkel war und man nichts mehr von der Gegend sieht, durch die man gerade fährt, konzentriert man sich auf das nächstliegende und das ist das Gespann unter dem Hintern

Und dann gehen einem plötzlich die komischsten Gedanken durch den Kopf. Man achtet auf das kleinste Geräusch vom Moped das einem nicht vertraut vorkommt. Beim kleinsten (evtl. eingebildeten) Andersklingenden klappern versucht man gleich zu diagnostizieren ob es vom Motor, Getriebe, oder Kardan kommt.

Wenn Motor, was könnte es sein, Kolbenkipper, Stösselstangen, oder Lagerschaden. Wenn ja, wie bekomme ich die Karre zurück, oder wie viele Tage braucht es bis der ADAC sie wieder nach Deutschland bringt und wie kommst du selbst zurück.

Oder wie bekommst Du die kaputten Teile nach Spanien und wer kann sie besorgen.

Selbst fremde Gerüche werden auf eigene Schäden abgeschnüffelt. Ist der momentane Gestank von einer festgegangenen Bremse oder stinkt so dein Getriebeöl auch der Gestank eines Schweinestalles, der in der nähe der Autobahn steht, wird geruchlich auf einen Schaden am Gespann abgeschnüffelt.

Auf den spanischen Autobahnen sind sehr viele Autos unterwegs, die auf ihren Dachgepäckträger sehr viel geladen haben.Diese Fahrzeuge stehen auch sehr oft defekt am Fahrzeugrand. Entweder haben viele Spanier eine defekte Beleuchtung an ihrem Fahrzeug, oder sie sehen in der Nacht schlecht. Viele haben konstant das Fernlicht drin, ob sie dir begegnen oder überholen, an ein abblenden ist nicht zu denken.

Um 2:ooUhr ist mein Voltmeter nur noch ca. 2mm im grünen Bereich. Erneuter Schrecken, da sonst immer in der Mitte des grünen Bereiches.

Ist der Rotor defekt?

Was soll ich tun?

Wieder umkehren?

Mit frisch geladener Batterie komme ich ca. 600 Km wenn ich alle anderen Verbraucher abklemme. Sch..ß egal, weiterfahren bis zum Totalen Kollaps.

Da es nicht mehr so heiß ist kann ich meine Reisegeschwindigkeit auf 150-170 km/h erhöhen ohne über 120 Grad Motortemperatur zu kommen. An den Tankstellen stehen die spanischen Autos am Fahrbahnrand und die Leute liegen neben ihren Autos und schlafen auf der Straße.

Auf der Höhe von Murcia war ich der Meinung, dass ich mich verfahren habe. Runter von der Autobahn und auf der Landkarte nachgeschaut. Da ich nicht genau sagen konnte, wo ich bin, fuhr ich nach Elx zurück um einen festen Ausgangspunkt zu haben. Dann bin ich die Strecke wieder zurückgefahren und genauestens nach der richtigen Abzweigung gesucht. Als ich merkte, dass ich zuvor nicht falsch gefahren war, sondern ich nur weiterfahren hätte sollen und die ganze Sucherei und Rückfahrt völlig umsonst war, hat mich das so deprimiert, dass ich plötzlich müde wurde, dass mir Kreuz und Hintern, die Beine und alles wehtaten.

Habe auf einer Raststätte die gleiche Palme gesehen wie ich zu Hause habe, nur wenn meine so groß wird, muss ich wohl anbauen.

Die Freude Merklingen-> Granada an einem Stück zu schaffen war plötzlich verflogen.

Unter diesen Umständen wollte ich nicht mehr weiterfahren.

Nachdem ich 2 oder 3 Tankstellen angeschaut hatte fand ich hinter

Puerta Lumberas  um 4:5o Uhr eine Tankstelle, an der ich mich getraute neben mein Gespann zu liegen und zu schlafen.

Das waren bis dahin:

Gesamtfahrzeit mit Pausen  25:45 Std.

Reine Fahrzeit                19:o3 Std.

Kilometer´ s                   2023

Schnitt mit Pausen          78 km/h

    „   ohne   „              106,5 km/h

 

2.Tag

Um 9:oo Uhr nach ca. 3 Stunden Schlaf die restlichen 2oo Km nach Granada gefahren. Dann in die Sierra Nevada gegondelt.

(Vergleich vor 15 Jahren und Heute)

 

Damals

Da ging eine enge Straße bis zum Gipfel und kurz davor stand ein kleiner Imbisswagen zur Verpflegung der Besucher.

Heute

Die Straße ist sehr gut und breit ausgebaut, ca. 300 m vor dem Gipfel ist nun die Weiterfahrt verboten, dafür sind jetzt re. und li. Der Straße 2 große Parkplätze mit festen Imbissbuden und lauter Musik um die Besucher mit ihren kulinarischen Bedürfnissen schnellstmöglich zu befriedigen.

Die ganze Gegend wurde so umgemodelt, dass sie den Bedürfnissen eines Wintersportortes gerecht wird.

Die Weiterfahrt durch´ s Landesinnere erfolgte zum grüßten Teil nach einer Reiseroute die mir Agustin erstellt hatte.

Sierra Nevada – Granada – Iznaollz – Jodar – (plötzlich wird der Kardan lauter) Übeda – Villacarillo – Allcarez – Pennascosa.

Diese Fahrt ging teilweise durch spanische Naturparks, teilweise durch Gegenden wo´ s nur Olivenbäume gab und sonst nix.

Bis auf Kardangeräusche ein wunderbarer Tag.

Wusste nicht das "Red Bull" in Spanien Webung macht

 

 

Früher konnte man bis kurz vor den Gipfel fahren

alles sehr Öde 

 

 

das war schon wieder runterwärts(za)

Olivenbäume soweit das Auge reicht

3. Tag

Habe beschlossen mein Zelt stehen zu lassen und eine Rundfahrt zu machen wobei ich durch 3 spanische Nationalparks kam.

Penascosa – Alcaraz – Ripoar – Siles – Hornos – Santiago de la Espade – Almaciles – Caravonca de la Cruz – Elche de la Sierre – Ripoar – Reolid – Alcaraz – Penascosa.

Sehr schöne Strecke mit kleinen kurvigen Straßen durch die Nationalparks, die manchmal auch an die Rüttelpiste der Daimler-

Versuchsstrecke bei uns im Ländle erinnerte.

 

 

 

    in einem Nationalpark

 

 

Der Tranco de Beas See

 

Auf dem Gipfel ist eine Burgt

4.Tag

Weiterfahrt  nach Caspe über

Albacete – Mahora – Casas Ilbanz – Requena – Utiel – Teruel – Montalban – Alcaniz – Caspe.

Fahrt durch sehr trockene, heiße Gegend bis ca. 45 Grad wo man außer Olivenbäumen und Steinen nichts sah. Selbst für Unkraut war es da zu trocken. Nicht einmal in Ortschaften sah man grüne Hausgärten. (War auch einer der wenigen Tage die ich ohne Lederkombi gefahren bin.)

Da ich zu wenig Synthetiköl (nur ½ L.) mitgenommen hatte, bin ich auf der ganzen Strecke fast jede Tankstelle angefahren und habe kein 15/60 bekommen. Sinth.Öl gab’s höchstens für Zweitakter,

habe dann normales 20/40er gekauft.

Die spanische Motorradpolizei grüßt immer freundlich (auch wenn sie BMW fährt) wenn man an ihnen vorbeifährt oder sie überholt.

 

Wo es Wasser gibt wird alles grün

 

 

 

 

 

 

Ein 3 Mann-Zelt (sonderangebot ALDI) kann man zur Not auch für 1 Person nehmen (gg)

 

  Bis auf die Bäume alles verbrannt

 

5.Tag

Caspe – Mequinenza – Llieda – Balaguer – Tremp – Sort – Llavorsi – Betren – Chaun dann irgendwie nach St.Gaudens.

Im strömenden Regen über 2 Stunden nach Sailes-de Salad gesucht, wegen dem schönen Gemeinde-Campingplatzes. Der ist aber

Wahrscheinlich im laufe der Stadtkernsanierung aufgelöst worden.

Das war überhaupt der erste Tag an dem ich keine Bedenken wegen eines technischen Defektes hatte.

 

Der Mequinenzu-See

der de la Torrasa-See

Blick auf die Pyrenäen

Port de la Bonaigua für mich der höchste Pass in den Pyrenähen 2072m.

6. Tag

St. Girons – Foix – Carassconne – Mazamet – Ales – Nyons.

Die Tachowelle gibt ihren Geist auf, nur gut dass ich einen Fahrradtacho habe.

Moped macht keine Prob´ s fahre locker wie es die Verhältnisse es zulassen.

Höre plötzlich überhaupt keine Geräusche mehr  die auf irgendeinen Defekt hindeuten würden. Kein klopfen, kein klingeln, kein rasseln, kein schaben oder schleifen (glaube bald auch an SELBSTHEILUNG), alles ist o.k.

 

So Langsam wird das Getränkelager Leer

Ein Kraftpacket das Läuft und Läuft (auch wenn ´s manchmal klappert)

7. Tag

Nyons –Serres – Gap – Briacon – Sauze – Susa – Mt.Blanc-Tunnel.

Dieser war aber gesperrt und ich konnte nicht nach Martigny weiterfahren, sondern musste zurück nach Aosta.

 

Irgendwo zwischen Nyons und Gap

Am Lac Pocon, der schönste hellblaue See den ich je gesehen habe.

Iseran in Wolken + Regen (saukalt nach 45 Grad in Spanien

         Am Lac de Sierre Pocon

   Kleiner St. Bernhard in Großem Wolken

8. Tag

Aosta – gr. St.Bernnard – Martigny – Sion – Furka-Pass –

Oberalp-Pass – Disentis/Muster.

War schon um ca. 16:00 Uhr auf dem Campingplatz und habe den Goldschürfern bei der Arbeit zugeschaut.

Die Gummimuffe am Kreuzgelenk fängt zum schwitzen an, sämtliche Olstände kontrolliert.

 

Auf dem Weg zum gr. St Bernard

Nachmals vom Furka mit Blick auf den Grimselpass

gr. St. Bernard endlich wieder Kaiserwetter 

Herz was willst du mehr?

vom Furkapass mit Blick auf den Grimmelpass

nur schön.

 

9. Tag

Disentis – Chur – Buchs – Feldkirch – Dornbirn – Lindau – BAB Wangen – Memmingen – Ulm. Ab Ulm habe ich mir noch „verschärft“ den Rest bis nach Merklingen auf der Landstraße reingezogen.

 

Bick zurück auf den verregneten Bodensee

 

Das waren dann 5497 km in 9 Tagen.

Urlaub im normalen Sinne habe ich mir in diesen 9 Tagen, fern von Familie, Arbeit und jeder Verpflichtung nicht gegönnt,  wollte ich aber auch nicht.

 

Was mir nicht so gefallen hat.

Zu Frankreich fällt mir momentan nichts ein.

 

In Spanien

Für ein Gespann muss man die gleiche Maut zahlen wie für einen PKW. Maut gibt es eigentlich an der Küste wo die Turistenströme sind. Im Landesinneren gibt es fast keine Maut, bezieht sich auf die Strecken die ich gefahren bin.

Entweder will oder kann der Spanier (Ausnahme Agustin) keine 2. Sprache sprechen, selbst auf Campingplätzen kann man sich nicht mit dem Personal in einer anderen Sprache verständigen.

 

In der Schweiz

Gut ausgebaute Bundesstraßen die neben der Autobahn herlaufen, werden mit totalem Überholverbot und Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 Km/h so kastriert, dass ein befahren dieser Straßen keine Freude mehr macht.

 

In Österreich

Abseits der Autobahnen gibt es so gut wie keine Fernausschilderung mehr. D. h. es wird immer nur das nächste Dorf ausgeschildert. Einen Hinweis zur nächsten größeren Stadt findet man nicht mehr,  wogegen der Weg zur Autobahn immer vortrefflich ausgeschildert ist.

 

Meine persönliche Erfahrung:

Es ist eine große nervliche Belastung wenn man alleine ohne Begleitung so weite Strecken unterwegs ist, ohne jede Hilfe oder Unterstützung und wenn man zeitlich auch noch keine Reserven hat.

Als wir 1999 in einer Gruppe von 12 Personen ( 5 Mopeds u. 2 Autos) durch Litauen, Lettland und Estland bis zur russischen Grenze und wieder zurück fuhren, hatte ich keinerlei Befürchtungen dass mein Moped kaputt geht.

 

Schäden am Gespann:

Tachowelle

Nummernschildhalterung gebrochen

3Standlichtbirnen

S O N S T   N I X ! ! !

Muss mich noch entschuldigen, dass der Bericht viel länger (und langweiliger) wurde wie ich es wollte.